Archiv für Juni 2013

Sema Kaygusuz über Taksim, Dersim und mehr

UPDATE 23.10.14 Sema Kaygusuz und andere Schriftsteller für Kobanê. Auf ARTE bis 29.10.14

Die Schriftstellerin Sema Kaygusuz hat sich in der FR über die Protestbewegung in der Türkei geäußert. Über den auch bei „Linken“ gerne verbreiteten Unterschied zwischen „schwarzen und weißen Türken“ äußert sie sich ablehnend und sieht in dieser Differenzierung einen Spaltungsversuch durch Erdogan. Über Erdogan sagt sie „er hat einen narzisstischen egozentrischen Größenwahn … Als Bürger möchte ich einen demokratischen, antifaschistischen Ministerpräsidenten.
Auf die kurdischen Gebiete angesprochen, erzählt sie: „Dort geht die Polizei sehr hart gegen die Proteste vor. In Dersim hatten alle Geschäfte geschlossen, um die Demonstrationen zu unterstützen“. Zur kurdischen Partei BDP führt Frau Kaygusuz an: „Die BDP ist klein und befasst sich vor allem mit den Problemen der Kurden. Sie ist nicht türkisch, das ist ein Problem. Allerdings ist ihr Vorsitzender Demirtas jung und ein sehr guter Redner. Außerdem ist die BDP clever und modern. Männer und Frauen sind in ihr gleichberechtigt. Sie erkennt das Armenienproblem an, thematisiert die Menschenrechte in der Türkei. Ihre Politiker sind keine Nationalisten, auch keine kurdischen Nationalisten.“. Über die Türkei als Heimat erkärt die Schriftstellerin: „Es ist das erste Mal, dass ich ein Heimatland habe. Meine Großmutter überlebte die Massaker in Dersim, das System assimilierte meinen Vater als Hauptmann der Armee. Wir mussten unsere Identität als Aleviten verheimlichen, ich wurde im sunnitischen und kemalistischen System erzogen. Das System brachte uns allen dieselbe Religion bei – sehr schwierig für Aleviten. Auch dass meine Mutter griechische Jüdin ist, musste immer geheim bleiben. Ich fühlte mich immer in der Minderheit, als Alevitin, als Frau, als Feministin, als Umweltschützerin. Aber sich in der Minderheit zu fühlen, gibt auch Freiheit. Ich bin eine Schriftstellerin, und ich kann tun, was ich will. Dies ist meine Freiheit. Jetzt fühle ich mich erstmals mit anderen wirklich verbunden – mit der Gezi-Bewegung. Ich fühle mich als ein Teil davon“.
Auf deutsch ist von Sema Kaygusuz bei Suhrkamp „Wein und Gold“ erschienen. Demnächst erscheint bei Matthes & Seitz “ Schwarze Galle“.

Neue Broschüre: „Das Versteckspiel“

Nazicodes erklärt und abgebildet in der neuen Ausgabe von „Das Versteckspiel“. Auf jugendkulturelle Codes, also Begriffe und Abkürzungen wie ›White Power‹ oder ›14 Words‹ wird ebenso ausführlich eingegangen wie auf Zahlenkombinationen, mit denen strafrechtlich relevante Begriffe, Grußformeln oder Organisationszeichen verschlüsselt werden. Dadurch ist eine hohe Praxistauglichkeit der Broschüre gewährleistet.

Die Broschüre ist für 7 Euro hier zu bestellen.
Online sind die Nazicodes aber auch zu entschlüsseln und aufrufbar. Nützlich für jede(r)mann/frau.

Frisch auf dem Zeitungsmarkt: Die Rote Hilfe Zeitschrift

Die aktuelle Ausgabe hat den Schwerpunkt „Bad Kleinen“. 1993 wurde dort Wolfgang Grams von der GSG9 erschossen. In der Rüsselsheimer Bahnhofsbuchhandlung gibt es aktuell noch zwei Ausgaben. Oder eben direkt bei der RH.

Demo gegen Sparpolitik in Rüsselsheim am 25. Juni

Vor dem Rüsselsheimer Stadttheater ruft das Aktionsbündnis gegen Sozialabbau am 25. Juni um 17.30 Uhr zu einer Demonstration auf. Über 40 Organisationen wollen gegen die Sparpolitik des Rüsselsheimer Magistrats protestieren. Das Flugblatt dazu hier.

Nachdem jetzt Jugendräume (Königstädten), Hallenbad und andere Objekte geschlossen wurden, werden weitere Schließungen und Kürzungen vor allem wegen dem „Schutzschirm“ erwartet.
Unterdessen zickt die Caritas, sicherlich größte Nutznießerin staatlicher Zuwendungen, dass ihr der „Protest zu links“ sei. „Links“ ohne linke Gruppen ist auch was neues. Dahinter verbirgt sich wohl eher eine enge Tuchfühlung mit den Regierenden nicht nur in Rüsselsheim.

Nach papierenen Protest jetzt der versteckte Protest?
Über 14.000 Unterschriften will die örtliche ver.di bei der Stadtverwaltung innerhalb sehr kurzer Zeit gesammelt haben. Vor allem für die Rettung des Theaters und der Musikschule. Danach folgten Aktionen einzelner Vereine, wie z.B. des Schwimmvereins.
Jetzt will das Aktionsbündnis den Protest bündeln und sucht sich nicht die Rüsselsheimer Innenstadt (lahmlegen!) und das Rathaus aus, sondern das sehr abgelegene Theater und den zudem schlecht einsehbaren Platz davor für die Proteste aus.
Damit gewährleistet das Aktionsbündnis den reibungslosen Innenstadtbetrieb und verhindert durch die geringe öffentliche Wahrnehmung sogar noch einen spontanen Zulauf zu den Protesten.
Ob das bei den vorgesehenen Protesten im Herbst, wenn noch mehr Sparobjekte bekannt werden, anders wird, ist unklar.

Ex-OB von der CDU bekommt Preis – nur für was?

Die CDU-Frau Otti Geschka, die Rüsselsheim von 1993 bis 1999 regierte, erhält den Elisabeth-Selbert-Preis von der hessischen CDU/FDP-Landesregierung.

Den kassiert Geschka, weil sie sich „in hervorragender Weise für die Verwirklichung von Chancengleichheit und Gleichberechtigung eingesetzt haben“ soll.
Ob damit gemeint ist, dass Geschka die „alternative“ Liste fNEP (für Nicht- Erst-und Protestwähler)! in eine (Achtung!) CDU/Grüne und fNEP-Koalition eingebunden hat, ist in Rüsselsheim unklar.
Klarer ist allerdings, dass damit eine Pöstchenvergabe einher ging und das handelnde fNEP-Personal heute bei der Linken Liste Solidarität ist, und zur Zeit noch im Rüsselsheimer Magistrat sitzt.
Frau Geschka darf sich für diese und andere Leistungen, die sie im Rahmen der CDU-Regierungszeit („Asylkompromiss“) zu verantworten hat, über ein leistungsorientiertes Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro freuen.
Schließlich sind ihre Bezüge als Staatssekretärin und Oberbürgermeisterin a.D. in Zeiten der Krise aufbesserungsbedürftig.

Mitbekommen hat es in Rüsselsheim wieder mal niemand, trotz Hessenschau-Beitrag, und die After-Preisverleihungs-Party findet mit vielen von früher (fNEP…) sehr wahrscheinlich in der Hügelstraße 11 im Freiwerk statt.

Erdogan wieder da – Proteste gehen aber weiter!

UPDATE: Die DKP solidarisiert sich mit einem Flugblatt mit den Demonstrierenden hier und in der Türkei. Nur raus aus der NATO, nein zur EU und Euro haben die GenossInnen vergessen.

AKP-Potentat Erdogan ist von einer Auslandsreise zurück und heizt die Situation gleich an.
Menschen, die keine Lust auf die Maßnahmen des AKP-Regimes haben, sind für ihn „Marodeure und Plünderer“.
In Rüsselsheims heimlicher Partnerstadt, Dersim, scheut sich die Polizei nicht davor Gasgranaten in das Krankenhaus zu schießen. Darauf gab es Proteste gegen die Polizei.

Bereits vor Tagen hat die TKP eine Deklaration veröffentlicht, die hier erst heute wegen eines Angriffs auf die Login-Seite von blogsport.de veröffentlicht werden kann. Von Interesse dürfte auch das Interview mit dem ZK Mitglied der TKP und Chefredakteur der Tageszeitung soL Kemal Okuyant sein.

Informationen über die TKP gibt es auch bei Facebook. Die Stuttgarter Gruppe ist dort ebenfalls vertreten.

Druck auf AKP-Regime hält an

Die Proteste gegen das AKP-Regime in der Türkei gehen weiter. Unterdessen hat die Türkei (EU-Beitrittskandidat!) der Türkischen Kommunistischen Partei (TKP) mal den Internetauftritt gesperrt.
LiR dokumentiert die Erklärung der TKP. Die Erklärung des Regionalkomitees Rüsselsheim der TKP vom Sonntag ist hier zu lesen.

Und Urlaub in der Türkei?
Besorgt hat das HR Info-Radio schon mal nachgefragt, ob das gefährlich sei in den Urlaubsregionen der Türkei. Immerhin gibt es Proteste in Bodrum u.a. Touriorten. Von Demonstranten und türkischer Polizei hätten die lieben Touris nichst zu befürchten, außer eine Ladung Reizgas. Seinen Urlaub anderswo zu machen wäre sicher solidarischer.

Erfolgreiche Solidaritätsdemo in Rüsselsheim

Die Ereignisse in der Türkei haben in Rüsselsheim zu einer Demonstration von hier lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln geführt.
Anlass war in Istanbul die geplante Zerstörung eines Parks an dem sich die geballte Wut gegen die AKP-Regierung von Erdogan entlud. Zwei Tote und 1000 Verletzte sind bisher durch staatliche Gewalt zu beklagen.
In Rüsselsheim versammelten sich am Sonntag über 300 Menschen am Bahnhofsplatz um ebenfalls gegen die AKP-Regierung in der Türkei zu demonstrieren.
Die Vereine Friedenshaus und SV Dersim, sowie die Alevitische Gemeinde haben am Wochenende für die Demonstration mobilisiert um die Regierungsgegnern in der Türkei solidarisch zu unterstützen.
Allerdings wurden dabei Türkeifahnen gezeigt und in Redebeiträgen auf die Wahlen in der Türkei im Jahr 2015 gesetzt. Beides Punkte die bei Linksradikalen verpönt sind.
Dennoch ist die Aktion bei der sehr kurzfristigen Mobilisierung ein Erfolg, wie bereits im Januar.