Sema Kaygusuz über Taksim, Dersim und mehr

UPDATE 23.10.14 Sema Kaygusuz und andere Schriftsteller für Kobanê. Auf ARTE bis 29.10.14

Die Schriftstellerin Sema Kaygusuz hat sich in der FR über die Protestbewegung in der Türkei geäußert. Über den auch bei „Linken“ gerne verbreiteten Unterschied zwischen „schwarzen und weißen Türken“ äußert sie sich ablehnend und sieht in dieser Differenzierung einen Spaltungsversuch durch Erdogan. Über Erdogan sagt sie „er hat einen narzisstischen egozentrischen Größenwahn … Als Bürger möchte ich einen demokratischen, antifaschistischen Ministerpräsidenten.
Auf die kurdischen Gebiete angesprochen, erzählt sie: „Dort geht die Polizei sehr hart gegen die Proteste vor. In Dersim hatten alle Geschäfte geschlossen, um die Demonstrationen zu unterstützen“. Zur kurdischen Partei BDP führt Frau Kaygusuz an: „Die BDP ist klein und befasst sich vor allem mit den Problemen der Kurden. Sie ist nicht türkisch, das ist ein Problem. Allerdings ist ihr Vorsitzender Demirtas jung und ein sehr guter Redner. Außerdem ist die BDP clever und modern. Männer und Frauen sind in ihr gleichberechtigt. Sie erkennt das Armenienproblem an, thematisiert die Menschenrechte in der Türkei. Ihre Politiker sind keine Nationalisten, auch keine kurdischen Nationalisten.“. Über die Türkei als Heimat erkärt die Schriftstellerin: „Es ist das erste Mal, dass ich ein Heimatland habe. Meine Großmutter überlebte die Massaker in Dersim, das System assimilierte meinen Vater als Hauptmann der Armee. Wir mussten unsere Identität als Aleviten verheimlichen, ich wurde im sunnitischen und kemalistischen System erzogen. Das System brachte uns allen dieselbe Religion bei – sehr schwierig für Aleviten. Auch dass meine Mutter griechische Jüdin ist, musste immer geheim bleiben. Ich fühlte mich immer in der Minderheit, als Alevitin, als Frau, als Feministin, als Umweltschützerin. Aber sich in der Minderheit zu fühlen, gibt auch Freiheit. Ich bin eine Schriftstellerin, und ich kann tun, was ich will. Dies ist meine Freiheit. Jetzt fühle ich mich erstmals mit anderen wirklich verbunden – mit der Gezi-Bewegung. Ich fühle mich als ein Teil davon“.
Auf deutsch ist von Sema Kaygusuz bei Suhrkamp „Wein und Gold“ erschienen. Demnächst erscheint bei Matthes & Seitz “ Schwarze Galle“.

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