Archiv der Kategorie 'Kultur'

Kollegah nein Danke!

Wer noch einen Grund sucht für die Konzertabsage auf dem Rüsselsheimer Hessentag: Der Studie »Out im Office?!« zur Arbeitssituation lesbischer, schwuler, bisexueller und transgeschlechtlicher Menschen zufolge machen immer noch mehr als drei Viertel (76,3 Prozent) der Befragten Erfahrungen mit Diskriminierung, Ausgrenzung und sexueller Belästigung.

Reaktionäre Kulturförderung in Rüsselsheim

Satte 21 000 Euro hat die Stadtverwaltung in die Restauration und Technik des „Kurbelwellenmannes“ gesteckt. Die Bronzeplastik wurde 1938 vom Bildhauer Ludwig Spiegel hergestellt. Noch im letzten Oktober wusste man beim Echo: „die Ästhetik des Brunnens (erinnert) an eine sehr dunkle Zeit. …. tatsächlich: „Körperhaltung und Gesichtsausdruck entsprechen dagegen der für die NS-Kunst typischen Heroik“, steht auf einem Schild am Brunnen. Und weiter: „1939 war die Plastik auf der jährlichen NS-Ausstellung ,Große Deutsche Kunstausstellung’ in München ausgestellt.“ Sicher zur Freude von Führer und anderen Nazigrößen.
Jetzt wird das faschistoide Denkmal auch noch beleuchtet. Die Beleuchtung wurde von den trunkenen Winzerfreunden und der Adam Opel AG mit schlappen 2.000 Euro gezahlt. Ein Opel-Sprecher meint gar „dass der Kurbelwellenmann in neuem Licht erstrahlt“. Nazikunst bleibt aber Nazikunst. Und wissen das schon die neuen Herren von PSA? Die laufenden Betriebskosten übernimmt selbstverständlich die Stadtkasse .
Anfang 2015 hatte das Rüsselsheimer Rathaus bereits 20.000 Euro für die Sanierung des Opel-Denkmals von Emil Hub, der ebenfalls im Dienste der Nazis stand, gezahlt. Ak Kulturshok.

Die Rüsselsheimer Kulturfrage und der Hessentag

Nicht erlaubt ist in Rüsselsheim das Adam-Opel-Denkmal am Bahnhof für ein „Familientreffen“ des Künstlers Ottmar Hörl zu „umzingeln“. Emil Hub, der das Opel-Denkmal 1937 für eine „Nazi-Orgie“ in Rüsselsheim schuf, und ansonsten Hitlerbüsten und anderen Nazikitsch produzierte, bleibt ein Tabu nicht nur im Rüsselsheimer Rathaus. Hier wurde die Untere Denkmalschutzbehörde im Rathaus vorgeschickt. Die Auftraggeber dazu können bisher nur vermutet werden.
Rüsselsheimer KünstlerInnen beziehen sich dagegen auffällig positiv und geschichtsblind auf das Denkmal. Die spielen gerne mit beim unkritischen Mitmachen wie beim vergangenen Hessentag.
KünstlerInnen die was gegen Krieg haben und keine Bundeswehr auf dem Hessenfest haben wollen? Fehlanzeige! Dafür ängstliche Äußerungen von den Fördertöpfen abgeschnitten zu werden.
Sollen es doch die Auswärtigen tun!
Tamara Dauenhauer, immerhin eine Rüsselsheimer Kulturförderstipendiatin bekam ebenfalls kein grünes Licht für ihre Performances. „Nicht umsetzbar“, so die Zuständigen der Stadtverwaltung.
Auffällig bleibt dabei, dass nicht nur die Künstlerszene vor Ort zur Kritik unfähig ist. Gleiches gilt für die politische Szene aus Rüsselsheim, die sich nicht nur zu den genannten kulturellen Vorgängen in Schweigen hüllt. AK Kulturshok.

Bundeswehr Arbeitgeber mit Risiken und Nebenwirkungen

Von Horsta Krum

Die Bundeswehr wirbt junge Leute mit dem Versprechen »Hier sicherst du deine Zukunft und die von Deutschland«.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

fragen Sie

beispielsweise die »Heimkehrer«, die von Auslandseinsätzen

verwundet oder mit einer PTBS zurückkommen

(posttraumatischen Belastungsstörung)

und die sich im zivilen Leben nicht mehr zurechtfinden.

Zur sicheren Zukunft von Deutschland: s. u.

In der Bundeswehr, so die Werbung, können Sie »­Teamgeist leben und persönlich wachsen«.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

fragen Sie,

wie es um harte Rituale und sexuelle Belästigungen ­bestellt ist,

beispielsweise in der vierten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bayern.

Dort wird gegen vier Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten ermittelt.

Dieser Fall ist beileibe nicht der einzige …

Die Kleidung der Bundeswehr-Angehörigen, so die ­Werbung, ist eine »neu entwickelte Kampfbekleidung mit ­Flammschutz, Insektenabwehr« usw., alles »in ­funktionellem Design« und »höchstmöglichem Tragekomfort«.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

fragen Sie

die Männer und Frauen,

die sich ihre Schutzkleidung selbst kaufen.

Und zu »höchstmöglichem Tragekomfort« fragen Sie die Soldatinnen

mit kleinen Füßen. Für sie wird es vorläufig keine ­passenden Stiefel geben.

Die Werbung lässt gern Soldatinnen und Soldaten zu Wort kommen, die in der Bundeswehr ihren »Traumjob« ­gefunden haben, denen ihre Arbeit »Spaß« macht und für die es »nichts Schöneres« gibt. »Wenn ich mit meinem Eurofighter abhebe, dann ist das ein ganz besonderes ­Gefühl. Knapp 2.500 km/h und modernste Technik.
Zu Risiken und Nebenwirkungen

können Sie Tote nicht mehr befragen.

In den Auslandseinsätzen heißen getötete Zivilisten

»Kollateralschäden«.

Befragen, wie gesagt, können Sie diese nicht,

aber

Sie sollten sich nicht wundern

über zunehmenden Terrorismus.

jW 15.04.2017

Viel Panzer, wenig Hirn auf dem Hessentag

UPDATE: In gewohnter Manier berichtete die hessenschau über die Tiger-Kampfeinheit auf den Weg nach Mali

Die Main-Spitze hat am Dienstag die Bundeswehr-Beteiligung auf dem Rüsselsheimer Hessentag im Juni hervorgehoben. Öffentlich macht die Bundeswehr, dass sie (offiziell!) mit bis zu 250 Soldaten ein Gelände am Main von 6.000 qm in ein militärisches Heerlager verwandeln will.
Das Zeitfenster für die Kriegswerbung und die Erhöhung des Rüstungshaushaltes auf 60 Milliarden Euro wird von 10 Uhr bis ca. 0.30 Uhr angegeben. Panzer, Hubschrauber und anderes todbringendes Gerät kann bis 19 Uhr als „ Ausstellung“ begutachtet werden. Die Bundeswehr sucht weiterhin Kriegskollaborateure, die wie ein „Poetry-Slam für Schüler… und der Shanty Chor“ sich für die Kriegspropaganda einspannen lassen. Willige Helferin ist dabei natürlich die Stadtverwaltung. Ziel ist, klarer Fall, die Nachwuchswerbung, wo die Bundeswehr nach wie vor nicht genügend Zuspruch erhält.
Bestätigt ist jetzt, dass das afghanistanerfahrene Kampfhubschrauberregiment aus Fritzlar da sein wird. Aufgabe dieser Soldaten ist z.B. „das bewusste Suchen und auf sich nehmen der Duellsituation mit dem Gegner“. Also töten. Dazu fliegt man den Kampfhubschrauber Tiger (Stückpreis ca. 74 Millionen Euro).
Die 3,7 Milliarden Euro, die für den Tiger versenkt wurden, können dem Steuerzahler auch schon mal vor die Füße klatschen. In Form eines Absturzes. Zu erwarten ist auch, dass wie beim Hessentag in Oberursel die „Elitekiller-Truppe“ KSK einen Auftritt hat. In Oberursel hat ein „Held der KSK“ sogar ein Absprung von einem Hubschrauber gewagt. Für die mediale Begleitung sorgte der HR zur Aufwertung der Truppe.
Sicher zu erwarten sind Proteste von Kriegsgegner_innen und Antimilitarist_innen aus der Region, die bestimmt mit Feldjägern, Zivilbullen und Soldaten, die „Geduld und Freundlichkeit“ an den Tag legen sollen, ihren Spaß haben werden. Und das nicht nur in dem angekündigten Zeitfenster von 10 bis kurz nach Mitternacht.

CDU-OB Burghardt lädt „Kollegah“ nach Rüsselsheim ein

UPDATE: Diskussion mit „Kollegah“, Zentralrat und Schwulen?/ Gelöschte antisemitische Kommentare in der MSP.

“ „Viel haben wir über #Kollegah diskutiert, es wird Zeit, dass wir mit ihm diskutieren. In einem Telefonat am heutigen Tag habe ich ihn nach Rüsselsheim eingeladen. Ich freue mich, dass er die Einladung angenommen hat und sich der Diskussion stellt. “ So der Rüsselsheimer Oberbürgermeister gestern Nacht bei Facebook. Und das vor der entscheidenden Stadtverordnetensitzung. Einfach mal am Parlament vorbei regiert, um bei der OB-Wahl besser dazu stehen.
KEIN FORUM FÜR „KOLLEGAH“ IN RÜSSELSHEIM!

Rap-Night geplatzt

Mit nur einer Stimme Mehrheit haben Rüsselsheims Stadtverordnete die Absage von „Kollegah“ u.a. Rappern beschlossen.
Damit wurde untermauert, dass es im Stadtparlament trotz der veröffentlichen Texte und Positionen der Rapper, genügend Kommunalpolitiker gibt, die mit öffentlichen Geldern Frauenverachtung, Homophobie und Antisemitismus fördern möchten.

„Kollegah“ versucht Politiker und Zentralrat der Juden vorzuführen

UPDATE: Musikwissenschaftler sieht bei Kollegah antisemitische Inhalte.

Das Rüsselsheimer Echo gibt „Kollegah“ ganz exclusiv Platz für seine Sicht. Kurz vor der heutigen Stadtverordentenversammlung versucht er mit leicht widerlegbaren Feststellungen wie, dass in „13 Jahren Musikkarriere nie der Vorwurf des Antisemitismus auch nur im Raum stand“, behauptet sogar das sei NEU!
Zitate seien 13 Jahre alt und nicht ihm zuzuschreiben… und die Litanei gipfelt sogar darin, dass „Kollegah“ verhindern möchte, das der Zentralrat der Juden „womöglich tragischerweise mit in das Kreuzfeuer eines – zu verurteilenden – „Shitstorms“ gegen jüdische Menschen im Allgemeinen“ gerät. Kreuzfeuer auf Juden?!
Der Hessische Rundfunk hat bereits eine Sonderseite.

Rüsselsheimer Dolchstosslegende und die Rap-Night

CDU-OB Burghardt hat heute schon in der Main-Spitze orakelt „…dass einige „im politischen Raum“ Rüsselsheims mit einer „klaren Strategie“ vorgegangen seien, um die Rap-Night zu Fall zu bringen.“ Also die Rüsselsheimer Gegner_innen sind Schuld! Dabei haben die sich gar nicht gut angestellt. Warscheinlich braucht er jetzt ein Feindbild, weil die „jungen Parlamentarierer“ gar nichts bewegten. „Er lobt ausdrücklich die jungen Stadtverordneten, die im November fraktionsübergreifend einen Antrag zur Durchführung der Rap-Night eingebracht hatten, der schließlich auch Erfolg hatte. „Das hat mich am meisten beeindruckt“, daher tue es ihm besonders um sie leid.“ Ansonsten will er vom Druck der Landesregierung oder dem Zentralrat der Juden unbeeinflusst gewesen sein und nichts falsch gemacht haben. Eben Last Exit. Und täglich grüßt das Murmeltier in Gestalt der OB-Wahlen. Im RE.

„Kollegah“-Konzert vor der Absage

Nicht unerwartet kündigt der CDU-Oberbürgermeister von Rüsselsheim, Patrick Burghard heute an, die Rap-Night mit homophoben und antisemistischen Rappern, abzusagen. Eine ganze Reihe Gruppen (ANTIFA bis Katholiken, CDUlern und jüdischen Zentralrat) hatten dagegen protestiert.
O-Ton Burghardt: „Ich werde morgen der Stadtverordnetenversammlung empfehlen, ihre Beschlussfassung zur geplanten Rap-Night beim Hessentag zu revidieren und die Veranstaltung abzusagen. Ich habe auf Grund der anfangs positiven Rückmeldungen die Situation falsch eingeschätzt und die Dimension persönlicher Betroffenheiten unterschätzt“, erklärt der OB.
Eine Einschätzung folgt noch.